Literatur on Tour in Singen
Literaturstipendiaten des Landes lesen im Theater „Die Färbe“
Seit 1980 würdigt das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und
Kunst Baden-Württemberg literarische Stimmen, die mit Originalität,
sprachlicher Kraft und ihrer Verbundenheit zum Land überzeugen. Auch in
diesem Jahr setzt die Tradition sich fort: Vier Bücher werden
prämiert
– zwei Romane und zwei Lyrikbände –, die auf ganz unterschiedliche
Weise zeigen, wie lebendig und facettenreich die literarische
Nachwuchsszene im Südwesten ist.
Natalja Althauser
„DUNKELHOLZ“
Die Freiburger Autorin, Regisseurin und Schauspielerin Natalja
Althauser erzählt in ihrem Roman „Dunkelholz“ von einer Protagonistin,
die sich in eine abgelegene Hütte im Wald zurückzieht und sich mit den
voranschreitenden Herbstmonaten in ihre Erinnerungen vertieft: in
die
eigene Vergangenheit und in ihre Rolle als Frau, Mutter und Partnerin.
Die Jury beeindruckte das starke Romandebüt, das eine sensible,
kraftvoll erzählte Geschichte entfalte, der man sich nicht entziehen
könne.
Sabine Eschbach
„SEERAUCHEN“
Im Debütroman „Seerauchen“ der im Schwarzwald lebenden Autorin Sabine
Eschbach wächst ein autistischer Junge zusammen mit seiner Mutter zur
Zeit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten am deutschen
Bodenseeufer auf. „Ein kunstvoll erzählter Text, der die
existenzielle Bedrohung des Andersseins zur Zeit des Nationalsozialismus
aus
einer Perspektive thematisiert, aus der diese Art von Geschichte
bislang eher selten zu lesen war“, so die Jury in ihrer Begründung.
Jan Snela
„JA, SCHNECKE, JA“
Der Erzählband „Ja, Schnecke, ja“ des Stuttgarter Autors Jan Snela
eigne sich für alle, die Literatur als Experiment zu schätzen wissen
und in Sprache baden möchten. Der Sinn für skurrile Details
im
poetisch-verspielten Roman, der szenisch zwischen Deutschland und Japan
wechselt, habe die Jury überzeugt. Es geht um Menschen, Tiere und
Pflanzen und darum, wie sie sich begegnen können, sowie um Liebe in
ihren mannigfaltigen Spielarten.
Luca Kieser
„PINK ELEPHANT“
Den in Tübingen geborenen und in Wien wohnhaften Autor Luca
Kieser hält die Jury für eine der verheißungsvollsten deutschsprachigen
Stimmen
seiner Generation. Nach dem Debüt „Weil da war etwas im Wasser“,
geschrieben aus der ungewöhnlichen Perspektive der Arme eines
Kraken, wagt er im Roman „Pink Elephant“ den Weg einer soziokulturellen
und
historischen Analyse. Der bürgerliche Protagonist findet darin neue
Freunde im migrantischen Milieu, die den Schüler seine Herkunftsfamilie
hinterfragen lassen und ihn sensibel für Alltagsrassismus machen.