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Heilig-Blut-Fest

Das Heilig-Blut-Fest wird auf der Reichenau als höchster Feiertag angesehen. Von der aus der Benediktinerabtei übernommenen Tradition besteht noch heute dieser Inselfeiertag. Er wird am Tag nach dem Dreifaltigkeitssonntag (Montag nach Pfingstmontag) gefeiert.

Die goldene Zeit des Reichenauer Inselklosters lag zwischen 800 und 1100. In diese Zeit, genauer ins Jahr 925, fällt auch der Erwerb der Heilig-Blut-Reliquie. Wie die Reliquie wohl auf die Reichenau kam, hat ein unbekannter Mönch im 10. Jahrhundert in einem so genannten Translationsbericht schriftlich festgehalten. Die Erzählung schildert in 36 Kapiteln den Weg der Überbringung der Blut-Reliquie von Jerusalem auf die Reichenau. Der Bericht umspannt einen Zeitraum von über hundertzwanzig Jahren. In einem ersten Teil wird von der Übergabe an Karl den Großen berichtet, ein zweiter Teil zeichnet den Weg der Reliquie bis zur Reichenau nach, und in einem letzten Teil werden dann die Ereignisse auf der Insel selber erzählt. Am 7. November 925 wurde sie mit feierlichen Gesängen in das Münster getragen und auf den Hochaltar gestellt.
Die Reichenauer Heilig-Blut-Reliquie ist ein kleines, aus vergoldetem Silber gearbeitetes byzantinisches Abtskreuz, das nach der Überlieferung blutgetränkte Erde von Golgatha, Splitter vom Kreuz Christi und ein blutgetränktes seidenes Tüchlein enthalten soll. Die Vorderseite des Kreuzchens zeigt in getriebener Arbeit das Bild des Gekreuzigten. Die Rückseite enthält eine griechische Inschrift, um deren Deutung sich viele Wissenschaftler bemüht haben. Die Inschrift soll lauten: "Herr, hilf Hilarion, deinem Knecht und Vorsteher deines Klosters, dem Tzirithon". Der Name und die Schreibart weisen auf das Ende des 9. Jahrhunderts als Entstehungszeit des Kreuzleins.
Den ersten Beweis für die aufkommende Verehrung dieser Heilig-Blut-Reliquie lieferte Kaiser Otto der Große. Er stiftete schon im Jahr 950 den Zehnten der Kirche Burg an die Reichenau, um durch die Einkünfte das Wachs für die Leuchter beschaffen zu können. Bereits vor 946 wurde östlich der Doppelapsis des Münsters für die Reliquien vom Heiligen Kreuz und Blut eine Heilig-Kreuz-Kapelle (Rotunde) eingebaut, die dann 1437 dem Neubau des gotischen Chors zum Opfer fiel. 1634 verbrachte der Ordensgeistliche Maurus Speth das Heilig-Blut in das Zisterzienserinnenkloster Günterstal bei Freiburg, um es während des 30jährigen Krieges vor den Schweden in Sicherheit zu bringen. 1737 wurde es wieder entdeckt und auf die Reichenau zurückgebracht. Die Heilig-Blut-Reliquie bekam eine barocke Fassung mit Edelsteinen, welche der Goldschmied J. G. Schalch aus Schaffhausen 1738 schuf. Die reiche Zier der Monstranz, die vom Konstanzer Meister Franz Andreas Wech 1746 gefertigt wurde, weist auf das im Leiden und Tod vergossene Blut Jesu hin: Die Engel mit den Leidenswerkzeugen; Schilde mit den fünf Geheimnissen des schmerzhaften Rosenkranzes, der mit seinem eigenen Blut seine Jungen nährende Pelikan; das geschlachtete Lamm und die Trauben, aus deren Blut das einmal für uns vergossene Blut des Erlösers in der Eucharistiefeier wird. Am 26. Mai 1738 wurde das Heilig-Blut durch den Konstanzer Fürstbischof Johann Franz von Stauffenberg wieder erstmals öffentlich zur Verehrung ausgesetzt. Die feierliche Prozession wurde auf einem großen Tafelbild, das sich im nördlichen Seitenschiff des Münsters befindet, festgehalten. Seit dem Jahr 1738 wird immer am Montag nach dem Dreifaltigkeitssonntag auf der Reichenau das Heilig-Blut-Fest gefeiert.
Die Reliquie wird heute im sogenannten Heilig-Blut-Altar verwahrt, den der Konstanzer Fürstbischof Johann Franz von Stauffenberg 1739 gestiftet hatte.