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Bürgerwehr

Die historische Bürgerwehr der Insel Reichenau kann auf eine bald 900 Jahre alte Tradition zurückblicken.

Aus Archivalien des Klosters Reichenau stammt der erste schriftliche Hinweis. Im Jahre 1108 bestätigte der rechtliche Vertreter von Papst Paschalis II, ein Kardinal Divizo, dass die hier wohnenden Männer den Auftrag haben, das Kloster und die Einwohnerschaft vor Angriffen von außen mit der Waffe zu schützen und auf der Insel für Ordnung zu sorgen.
Weitere urkundliche Nachweise stammen aus dem 15. Jahrhundert, wonach sich die Bürger von Reichenau auf eigene Faust militärisch organisiert hatten. Der Abt verlangte, dass die von den Bürgern gewählten Hauptleute abgesetzt und in Zukunft ohne Wissen des Abtes nicht neu eingesetzt werden durften.
Im Krieg mit Frankreich 1798- 1800 mussten sämtliche Gewehre ins Zeughaus nach Meersburg abgeliefert werden. Eine Reglementierung aus dieser Zeit besagt, dass jeder Reichenauer Bürger bei seiner Verheiratung die Pflicht hatte, der Bürgerwehr eine „Flinte“ zu stellen. Als die Zahl der benötigten Flinten erreicht war, musste jeder verheiratete Bürger jährlich 5 Gulden in diese „Flintenkasse“ einzahlen. Diese Stiftung von 1770 besteht heute noch als Sondervermögen der Gemeindekasse. Nachdem das Kapital von 800 Gulden erreicht war, konnten die Gewehre aus den Zinsen unterhalten werden.
Der letzte „Militäreinsatz“ erfolgte bei der Revolution im Jahre 1849, als die Reste der badischen Revolutionsarmee über den Damm zur Insel wollten. Dr. Gideon Spicker berichtet, dass die Reichenauer mit ihren Gewehren, mit Sensen, Gabeln und Äxten zum Bruckgraben eilten, der eilends abgebrochen wurde. Es seien sogar Schüsse gewechselt worden. Als Widerstand verspürt wurde, zogen die Reste der Armee nach Konstanz ab, um von dort über die Grenze in die Schweiz zu flüchten. Nunmehr wurden 1849 alle Wehren entwaffnet und aufgelöst, weil sie sich der Revolution angeschlossen hatten.
Die Reichenauer Bürgerwehr erhielt von Großherzog Leopold jedoch das Recht, weiter Waffen zu tragen, weil sie regierungstreu geblieben war. Außerdem wurde 1890 der Bürgerwehr durch Großherzog Friedrich als Dank für ihre loyale Haltung eine Fahne mit dem badischen Wappen geschenkt. Diese Fahne wird heute noch vor jedem Ausrücken vom Bürgermeister unter den Klängen des Präsentiermarsches der Wehr übergeben und anschließend wieder zurückgenommen.
Auch heute noch werden in die Wehr nur hier wohnhafte Bürger aufgenommen, die sich zur Heimat und zu unserem Brauchtum bekennen. Mit Musik und Spielmannszug umfasst die Kompanie zurzeit 130 Mann.

UNESCO-Welterbestätte

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