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Klostergeschichte

Im Jahr 724 gründete der Wanderbischof Pirmin auf der Insel ein Benediktinerkloster. Vom 8. bis 11. Jahrhundert entwickelte es sich als unmittelbares Reichskloster zu einem geistigen Zentrum des Abendlandes.

Im Jahre 724 gründete der Wanderbischof Pirmin das Insel-Kloster. Er brachte vierzig Mönche auf die Reichenau mit. Dies berichtet eine Gründungsurkunde, die Karl Martell am 25. April 724 an den Alemannenherzog Lantfried und den Grafen Bertoald schrieb. Das Ziel der Gründung war die Bekehrung der Alemannen zum christlichen Glauben. Stand die Abtei zu ihrer Gründungszeit zuerst unter alemannischem Einfluss, so nahm schon nach den ersten Gründungsjahren der Einfluss der Karolinger zu. Das mag mit ein Grund sein, weshalb Pirmin schon nach drei Jahren das Inselkloster verließ und weitere Benediktiner-Abteien gründete. Zuletzt in Hornbach, wo er 753 starb.
Mit Abt Waldo (786-806) begann das goldene Zeitalter auf der Reichenau. Er war zugleich noch Bischof von Pavia und Regent des jungen Langobardenkönigs Pippin, eines Sohnes Karls des Großen. Durch ihn wurde der Ruhm der Klosterschule und der Bibliothek begründet. Sein Nachfolger, ein ebenso einflussreicher wie kunstliebender Mann war Abt Heito I. (806-823). Er war Bischof von Basel und ein Freund Karls des Großen, der ihn als Gesandten 811 nach Konstantinopel sandte, um die Anerkennung des Karolingerreiches durch Ostrom zu erreichen. Während seines etwa einjährigen Aufenthalts in Byzanz holte er sich Anregungen zum Bau der ersten Kreuzbasilika auf der Reichenau (816 Münster). Auf die Äbte Erlebald (823-838) und Ruadhelm (838-842) folgte der Höhepunkt der Abtei unter Abt Walahfrid Strabo (842-849). Er war Gelehrter, Dichter und Erzieher am kaiserlichen Hof in Aachen. Ihm verdanken wir die „Visio Wettini“. Sie ist die sinnbildliche Gestaltung eines christlichen Weltbildes und ein Wegweiser zu Dantes „Göttlicher Komödie“. Ebenso schrieb er um etwa 840 das erste Gartengedicht „De cultura hortorum“, kurz Hortulus genannt. Nur 40-jährig ertrank er auf einer Friedensmissionsreise in der Loire.
Politisch gelangte die Reichenau unter Abt Hatto III. (888-913) zu einer einzigartigen politischen Macht. Im Jahr 891 erhob Kaiser Arnulf den diplomatisch hochbegabten Abt zum Erzkanzler des Reiches. Hatto III. war Taufpate und Vormund Ludwigs des Kindes, des letzten deutschen Karolingerkönigs. Kein Abt hat jemals so viel staatliche Verantwortung getragen wie er. Im Jahre 896 schenkte der Papst dem Erzkanzler das Haupt des Hl. Georg für seine gegen Ende des 9. Jahrhunderts neu erbaute Kirche St. Georg in Reichenau-Oberzell. Um 1000 entstanden in dieser Kirche die acht Bildfelder des Mittelschiffes im ottonischen Stil, deretwegen St. Georg zu den Kunststätten abendländischen Ranges zählt. Der Reichenauer Mönch und Bischof von Verona Egino ist der Erbauer der Kirche St. Peter und Paul in Reichenau-Niederzell. Sein Nachfolger in Verona, der Reichenauer Mönch Ratoldus, Gründer von Radolfzell, hat die Reliquien des Hl. Markus 830 auf die Reichenau gebracht. Im Jahre 925 kam die Heilig-Blut-Reliquie (ein byzantinisches Abtskreuz, das blutgetränkte Erde von Golgatha und Holzsplitter enthält), auf die Insel. Unter den Äbten Eggehard I., Ruodman und Witigowo erreichte die Reichenauer Buchmalerei ihren künstlerischen Höhepunkt. Nach nur zweijähriger Abtszeit des strengen Immo (1006-1008) erlebte das Kloster unter Abt Berno (1008-1048) noch einmal eine glanzvolle Zeit. Er erbaute den 1048 eingeweihten Westchor des Münsters. Es war eine glückliche Fügung, dass in dieser Zeit Hermann der Lahme (geb. 1013, gest. 1054) Mönch der Reichenau war. Bereits zu Lebzeiten war Hermann der Lahme eine berühmte Persönlichkeit. Er war außer Theologe auch Astronom, Mathematiker, Geschichtsschreiber und Musiker. Ihm verdankt die Kirche die noch heute gesungenen marianischen Antiphonen „Alma redemtoris mater“ und „Salve regina“. Er war auch Verfasser einer Weltchronik, beginnend mit Christi Geburt und endend mit seinem Tode. Mit ihm endete gleichfalls die glanzvolle Zeit der Benediktiner-Abtei Reichenau.
Durch eine Verfügung unter Abt Friedrich von Wartenberg (1427-1453) wurde das dem Hochadel vorbehaltene Kloster auch dem niederen Adel zugänglich und so nochmals aus seiner Stagnation befreit. Ab 1447 begann Friedrich von Wartenberg mit dem Bau des gotischen Ostchores, dessen Einweihung 1477 stattfand. Mit Markus von Knöringen 1508-1516 und 1523-1540 Abt des Klosters endet die Abtei Reichenau. Sie wurde gegen ein Entgelt an den Konstanzer Bischof Johann III. von Weeze verkauft, der durch Karl V. mit dem Reichslehen der Abtei belehnt wurde. Als Priorat bestand das Kloster weiter, bis es 1757 aufgelöst wurde. Aus ihrer glanzvollen Vergangenheit sind der Reichenau ihre drei romanischen Kirchen sowie die Kunstwerke in der Münsterschatzkammer erhalten geblieben.